KI und SEO: Wenn die Such­maschine plötzlich mitdenkt

Keywords sauber setzen, technische Fehler vermeiden, gute Inhalte schreiben, Backlinks aufbauen, warten. Funktioniert die klassische SEO-Methode noch in Zeiten von KI?

Fabian Jäggi  

Suchmaschinenoptimierung war früher vollständig auf Suchergebnisseiten ausgerichtet. User gaben eine Suchanfrage ein, Google zeigte zehn blaue Links, später ergänzt durch Snippets, Maps, Shopping, Videos und Knowledge Panels. Das Ziel war klar: mit der eigenen Website möglichst weit oben erscheinen und den Klick gewinnen.

Künstliche Intelligenz ist daran, dieses Spiel grundlegend aufzumischen. Nicht, dass SEO verschwunden wäre. Platz 1 im Google-Ranking hat aber eine ernsthafte Konkurrenz bekommen. Immer häufiger bedeutet Sichtbarkeit: Ich werde von einer KI verstanden, ausgewählt, zitiert oder empfohlen.

Ist das klassische SEO tot?

Google AI Overviews, AI Mode, ChatGPT, Perplexity, Gemini und andere Systeme sammeln Informationen, verdichten sie und präsentieren eine Antwort – mal mit, mal ohne Quellenangaben. Für Websites ist das ambivalent. Einerseits können Angebote und Marken in KI-Antworten sichtbar werden, ohne klassisch auf Platz 1 zu ranken. Andererseits sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass bei einer Suchanfrage in Google überhaupt noch geklickt wird. Die von der KI gelieferte Antwort erfüllt in vielen Fällen bereits das Bedürfnis der User. Dieses neue Phänomen nennt sich Zero Click Search und die meisten dürften es aus eigener Erfahrung kennen.

Dieser Trend beschäftigt uns natürlich auch bei hausformat. Wir sind laufend daran, die Strategien in der SEO-Beratung kritisch zu hinterfragen und so weit vorausschauend wie möglich der neuen Realität anzupassen. Zum aktuellen Zeitpunkt sind wir überzeugt: Das klassische SEO ist noch lange nicht tot. Technische Suchmaschinenoptimierung, saubere Informationsarchitektur, schnelle Ladezeiten, Mobile-Optimierung, interne Verlinkung, strukturierte Daten, gute Titles und relevante Inhalte bleiben wichtig. SEO hat aber seine Allein­herrschaft verloren und muss sich mit neuen Disziplinen vernetzen.

Die Website als Wissensbasis verstehen

Die Richtung von Google ist klar: Aus der Suchmaschine wird eine Antwort­maschine. Nach jahrelangem Monopol kämpft Google dabei mit einer Vielzahl von schnell wachsenden Mitbewerbern. KI ist allgegenwärtig, in Chatbots und Apps, und wir stehen erst am Anfang dieser rasanten Umwälzung. Gewohnheiten ändern sich nicht über Nacht, aber das Verb «googeln» wird irgendwann verschwinden.

Doch was kann man als Betreiber einer Website machen, um in der Datenflut weiterhin sichtbar zu bleiben? Der wichtigste Schritt ist, die eigene Website stärker als Wissensbasis zu begreifen. Der Weg führt von der digitalen Marketing-Broschüre hin zu einer reichhaltigen, glaubwürdigen Quelle. Inhalte müssen nicht nur gefunden, sondern in Antworten eingebaut werden können.

Suchanfragen werden länger, dialogischer, kontextreicher. Statt z. B. kurz und knapp «bestes CRM» einzutippen, fragen User heute oft differenzierter: «Wir sind ein kleines B2B-Unternehmen in der Schweiz mit fünf Sales-Leuten. Welches CRM passt zu uns, wenn Datenschutz und einfache Einführung wichtig sind?» Das ist nicht mehr nur Suche. Das ist Beratung.

Sind die Google Top 10 auch in der KI vorne mit dabei?

Untersuchungen von Google AI Overviews haben gezeigt, dass zitierte Quellen nicht einfach identisch sind mit den klassischen Top-10-Ergebnissen. Das ist für SEO herausfordernd und spannend zugleich: KI-Sichtbarkeit kann eigene Regeln haben. 

Eine Studie von BrightEdge zeigt auf, wie dynamisch diese Entwicklung ist. Die Untersuchungs­zeiträume Mai 2024 und September 2025 ergeben ein völlig anderes Bild. Interessant ist auch, dass sich in gewissen Branchen die KI-Zitate inzwischen zu Dreiviertel mit dem Suchmaschinen-Ranking decken, während in anderen Bereichen – darunter E-Commerce – nach wie vor nur eine minimale Überlappung besteht.

BrightEdge: Grafik der Überlappung von Google Ranking und KI-Zitaten

Studie von BrightEdge: prozentuale Überlappung von Google-Ranking und KI-Zitaten

Generative Engine Optimization: Wie man die KI richtig füttert

KI-Systeme lieben Inhalte, die eindeutig, vertrauenswürdig und gut strukturiert sind. Das klingt unspektakulär, ist aber entscheidend. Ein KI-tauglicher Inhalt beantwortet Fragen klar, nennt nach Möglichkeit Quellen, Zahlen, Fakten, Autorinnen und Autoren, Aktualisierungs­daten und Beispiele. Ein guter Webtext vermeidet Marketing-Nebel wie «innovative Komplettlösung für nachhaltige Synergien» und sagt stattdessen konkret, was Sache ist.

Die Pfeiler der Generative Engine Optimization – kurz: GEO – sind die folgenden sechs Aspekte:

  1. Eindeutigkeit: Die KI muss – wie ein Mensch – verstehen, worum es geht. Schwammige Claims und Geschwurbel bringen nichts.
  2. Autorität: Wer spricht? Warum ist diese Person oder Organisation glaubwürdig?
  3. Struktur: Gute Überschriften, Absätze, FAQs und semantisches HTML erleichtern Maschinen das Erfassen von Inhalten.
  4. Originalität: Austauschbarer KI-Text wird im KI-Zeitalter noch austauschbarer.
  5. Aktualität: Veraltete Inhalte verlieren Vertrauen – bei Menschen und Maschinen.
  6. Entitäten: Marken, Personen, Produkte, Orte, Branchenbegriffe und Zusammenhänge sollten konsistent benannt werden.

Sichtbarkeits­strategie in Zeiten von künstlicher Intelligenz

SEO wird weniger mechanisch und stärker strategisch. Die Zukunft gehört nicht den Websites mit den meisten Keywords, sondern den Marken mit der klarsten Expertise. Der Content muss auf Suchintentionen, Entscheidungsphasen und konkrete Fragen abgestimmt sein. Das ist an sich nichts Neues: Schon vor KI war es sinnvoll, in diese Richtung zu arbeiten. Deshalb sind einige Websites mehr, andere weniger betroffen. Durch KI werden Stärken und Schwächen einer Website spürbarer.

  • Produkt- und Dienstleistungsseiten sollen konkret erklären, für wen ein Angebot geeignet ist, welche Probleme es löst, wo allenfalls die Grenzen liegen und wie es sich von Alternativen unterscheidet. 
  • Blogartikel, die bloss Keywords abdecken, bringen nichts. Der Text muss echte Fragen beantworten und Interessen bedienen.
  • Case Studies helfen, konkrete Expertise, Detailwissen und messbare Resultate nachzuweisen.
  • Autorenseiten, About-Seiten, Quellenangaben und Aktualisierungsdaten werden wichtiger.
  • Strukturierte Daten bleiben relevant, damit Suchmaschinen und KI-Bots Inhalte schnell interpretieren und korrekt einordnen können. 

In der alten SEO-Welt zählte primär: Wie gefallen wir dem Algorithmus?
Die neue SEO-Welt fragt: Sind wir die beste Antwort?

Das ist anspruchsvoller, aber letztlich auch gesünder. Denn am Ende gewinnt nicht der raffinierteste Trick oder die lauteste Kampagne, sondern die verständlichste, glaubwürdigste und nützlichste Information. Und vielleicht ist das gar keine schlechte Nachricht für das Web.